Expertenwissen: Hohe Schule der Baufinanzierung

Aktuelle Situation und Prognose


Die aktuelle Situation und der Versuch einer Prognose

Im Oktober 2015 betrug der Anstieg der Verbraucherpreise gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum nur 0,3 %. Der europäischen Zentralbank (EZB) erscheint dieser Wert zu niedrig. Angestrebt wird eine Inflationsrate von knapp unter 2 % als konjunktureller Anreiz.

Die EZB senkte ihre Leitzinsen zuletzt im September 2014 auf den historisch niedrigsten Stand von 0,05 %. Für ungesicherte Eintageskredite zahlen die Kreditinstitute seither 0,3 %. Unterhalten Sie Guthaben bei der Notenbank berechnet Ihnen die EZB sogar Strafzinsen in Höhe von 0,2 %.

Seit März 2015 kauft die Zentralbank Anleihen in Höhe von monatlich 60 Milliarden Euro, um die Eurozone mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen.

Im Hinblick auf die Finanzkrise in Griechenland sowie die sich abzeichnende Wirtschaftsschwäche der Schwellenländer, erklärte EZB-Präsident Mario Draghi Anfang September 2015, er sehe „praktisch keine Grenzen“ für eine Ausweitung der geldpolitischen Maßnahmen.

Für die Zinsentwicklung bedeuten die Maßnahmen Draghis, dass sich, mindestens mittelfristig, an dem niedrigen Niveau nichts ändern wird.

Während angehende Immobilienbesitzer sich um die Entwicklung der Zinssätze auf absehbare Zeit kaum Sorgen machen müssen, sieht es bei der Preisentwicklung für Immobilien ganz anders aus. Für die Baupreisstatistik gibt es einen eigenen Index. Dessen Anstieg gegenüber dem Vorjahr betrug im August 1,6 %. Beide Zahlen sind nicht nur mit viel Vorsicht zu genießen. Für die regionale Situation eines angehenden Immobilieneigentümers haben sie nur wenig Aussagekraft.

Die Indices gelten für ganz Deutschland. Zwischen Flensburg und Garmisch gibt es jedoch sehr unterschiedliche Entwicklungen. Während sich die Preise in Ballungsgebieten in schier atemberaubendem Tempo entwickeln, gibt es in strukturschwachen Regionen Leerstände. Dort sinken die Preise für Wohneigentum und Mieten sogar. Für den, der in München eine Doppelhaushälfte kaufen will ist das wenig tröstlich. Dort sind die Preise innerhalb von nur zwei Jahren um beinahe 20 % angestiegen.

Der Baupreisindex hat aber noch weitere Tücken. Er erfasst lediglich die Erzeugerpreise, also den Kostenanstieg für Arbeit und Material, den die Bauunternehmen in den regelmäßigen statistischen Erhebungen gemeldet haben. Mit den Marktpreisen, deren Anstieg in Zeiten hoher Nachfrage sehr viel stärker ist, hat der statistische Wert nichts zu tun. Das wird jeder bestätigen können, der sich bereits eine Weile um den Kauf einer Immobilie bemüht.

Es kommt noch dicker: Die Ausgaben für das Wohnen sind im Warenkorb zwar mit 31,9 % gewichtet. Hierin sind weit gefasste Nebenkosten enthalten, insbesondere die Energiekosten. Selbst wenn man sich auf die reinen Wohnkosten beschränkt, das ist die Rubrik CC041 der Statistik, zeigt sich, dass der angehende Immobilienbesitzer hieraus kaum Rückschlüsse ziehen kann. In dieser Position werden die Wohnungsmieten berücksichtigt. Eigentum wird in Form eines Wohnwertes erfasst. Kritiker bemängeln nicht nur die Art der Erhebung, sondern bezweifeln auch die Aussagekraft dieses Werts. Es sei politisch gewollt, Wohnen bezahlbar erscheinen zu lassen.

Wer eine fundierte Entscheidung treffen will, sollte sich die tatsächliche Preisentwicklung des regionalen Immobilienmarkts ansehen, daraus seine persönlichen Schlussfolgerungen ziehen und selbst eine Prognose wagen.

Tatsache im Augenblick ist: In den begehrten Regionen ist ein Anstieg der Immobilienpreise sehr viel wahrscheinlicher, als ein Anstieg der Zinsen für Immobiliendarlehen. Die Mietpreise mögen in Grenzen regulierbar sein und weniger stark ansteigen. Für jemanden, der in einer Schlange von 50 weiteren Bewerbern um eine „bezahlbare“ Wohnung ansteht, wird das kein wirklicher Trost sein.

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