Expertenwissen: Entscheiden und Bemustern

Der Innenputz

+++ schnell und billig: Gipsputz +++ besser und gesünder: Lehm- und Kalkputze +++ Billigvariante meist aus Unkenntnis +++ nicht am falschen Fleck sparen +++Gesunder Wohnraum- und Kellerputz als lohnende Alternative? +++


Wenn Sie „alles richtig machen“ wollen, müssen Sie das Projekt Hausbau als Optimierungsaufgabe auffassen. In aller Regel sind die zur Verfügung stehenden Mittel beschränkt. Die Aufgabenstellung lautet daher: Wie lässt sich mit den vorhandenen Mitteln der größte Gegenwert erzielen? Nicht allen Bauherren ist diese Problemstellung bewusst. Die meisten bauen nach Gefühl darauf los, geben Geld für Dinge aus, die eigentlich nicht notwendig wären und sparen am Ende dort, wo Sparen überhaupt noch möglich ist, um das Budget nicht zu sprengen.

Die wenigsten Bauherren machen sich Gedanken über Ihren Innenputz. Das hat einfache Gründe: Industrie und Handwerk verdienen das leichteste Geld mit dem heute üblich gewordenen Maschinen-Gipsputz. Er erfordert bei der Verarbeitung kein großes handwerkliches Können und er kann einlagig aufgebracht werden, was ein paar Tage Bauzeit spart. Damit sind die Vorteile von Gips putzen bereits erschöpfend aufgezählt. Dem stehen leider folgende Nachteile gegenüber:

  • Gipsputz kann zwar Feuchtigkeit aufnehmen, sie aber nur schlecht wieder abgeben
  • Bei Gipsputz, besonders an Kältebrücken, besteht die Gefahr von Schimmelbildung
  • Gipsputz hat keine antibakterielle oder Schadstoffe absorbierende Wirkung, es besteht im Gegenteil der Verdacht, dass die chemischen Zusätze der Maschinenputze eine Belastung für die Raumluft darstellen können
  • Gipsputz ist feuchtigkeitsempfindlich und kann daher weder für Nass- noch Kellerräume eingesetzt werden. Die im Keller üblicherweise eingesetzten Zementputze können praktisch keine Feuchtigkeit aufnehmen, was gerade in diesen Räumen wichtig wäre, was zu zusätzlichen Nachteilen führt.
  • Gipsputz ist nicht frostsicher
  • Eisenteile müssen vor Gipsputz geschützt werden. Ansonsten korrodieren sie.
  • Bei hoher Restfeuchte neigt Gipsputz zum Quellen. Wenn dies unerkannt bleibt, können die Schäden später nur mit großem Aufwand wieder beseitigt werden

Sind Sie, wenn Sie das alles gelesen haben, noch immer der Ansicht, dass es sich nicht lohnt, sich über den Innenputz Gedanken zu machen? Vor allen Dingen, wenn wir Ihnen sagen, dass ein hochwertiges Putzsystem nicht viel teurer kommt, sondern billiger als mancher Sonderwunsch im Sanitärbereich, aber mit einem vielfach höheren Gegenwert. Machen Sie sich dabei bitte die Mühe, sich grundsätzlich über die Alternativen zu informieren. Wenn Sie dann immer noch der Ansicht sind, dass das billigste Putzsystem – Maschinen-Gipsputz – für Ihr Haus gut genug ist, ist das natürlich Ihre Entscheidung.

Das Wichtigste in Kürze

Bei Innenputz gibt es vier Qualitätsstufen (Q1 bis Q4). Standard-Qualitätsstufe ist Q2. Wenn also in der Baubeschreibung nichts anderes angegeben ist, haben Sie Anspruch auf Q2. Diese Oberfläche entspricht der Qualitätsanforderung für Wohnräume und genügt den üblichen Anforderungen an Wand- und Deckenflächen. Die Oberflächenausführung gibt es gefilzt, geglättet, gerieben und abgezogen. Standard-Wohnräume werden, wenn nichts anderes festgelegt ist, in Q2 ausgeführt. Die häufigste Ausführung ist gefilzt. Eine geglättete Ausführung kommt in Betracht, wenn tapeziert werden soll, wobei Tapeten im mittlerweile kaum mehr üblich sind. VomTapezieren ist grundsätzlich abzuraten, solange das Bauwerk nicht vollständig ausgetrocknet ist.

Üblicher Standard

Der Innenputz hat eine nicht unerhebliche Auswirkung auf das Raumklima. So gesehen ist es unverständlich, dass ihm nicht mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Hier scheint das Motto zu gelten: Das Billigste ist gerade gut genug. Am billigsten und am schnellsten zu verarbeiten sind einlagige Gipsputze für Wohnräume und Zementputze für Feucht- und Kellerräume. Handelsüblich sind Gipskalk-, Kalkgips-, Kalkzement- oder Zementputz. Gipsputze reagieren empfindlich auf Feuchtigkeit, können kaum Wasserdampf aufnehmen und sind ein idealer Nährboden für Schimmelpilze. Der Vorzug von Zementputzen ist, dass sie feuchteresistent sind. Ein Beitrag zur Klimaregulierung darf von ihnen nicht erwartet werden.

Die gesündere Alternative: Lehm- und Kalkputze

Im Zuge eines vermehrt ökologischen Bauens haben Lehmputze eine Renaissance erlebt. Unter dem Aspekt Klima- und Feuchtigkeitsregulierung sind sie die Stars unter den Innenputzen. Hier haben sie die unbestreitbar besten Eigenschaften. Feuchträume oder glatte Untergründe sind jedoch nicht ihre Stärke. Hier punkten die Kalkputze. Ihr Aufnahmevermögen von Feuchtigkeit ist nicht ganz so gut wie bei den Lehmputzen, dafür bieten sie durch ihre alkalische Substanz keine Grundlage für Schimmel und haften auch auf glatten Untergründen. Kalkputze sind jedoch eine Wissenschaft für sich. Wer sicher gehen will, greift zu einem System wie etwa Rotkalk, das mehrere Varianten aus Unter- und Oberputz bietet, die perfekt aufeinander abgestimmt sind.

Lehm- und Kalkputze werden mindestens zweilagig ausgeführt, was Zeit und Geld kostet. Die Mehrkosten liegen bei ca. 3 € bis 5 € pro Quadratmeter. Firmen, die öfter mit diesen Materialien arbeiten sind tendenziell eher billiger, unerfahrene Unternehmen können auch teurer sein. Pro Haus reden wir von Mehrkosten in einer Größenordnung von 3.000 € bis .4.000 € und 3 bis 4 Tagen Bauzeitverlängerung.

Detaillierte Informationen über Lehm- und Kalkputze finden Sie später im technischen Teil (derzeit in Vorbereitung).           

Sind im Vertrag keine Angaben über die Oberflächenqualität enthalten, so gilt stets Qualitätsstufe 2 (Q2), gefilzt als vereinbart.

Exkurs Qualitätsstufen beim Innenputz

Auch zu den Qualitätsstufen finden Sie später im technischen Teil detaillierte Informationen. Wer vorab Näheres wissen möchte, liest einfach hier weiter:

Innenputz Qualität Q1

  • Die Oberfläche Q1 bei Innenputz und Gipskarton ist geeignet zur Weiterbearbeitung mit Fliesen oder anderen keramischen Wandbelägen und rustikalen Finishputzen, wie z. B. ein Scheibenputz oder grober Reibeputz.

Innenputz: Die Qualitätsstufe Q1 für Innenputzoberflächen wird in der Regel aus Gipsputz oder Zementputz als 1-lagiger Maschinenputz hergestellt. Die Oberfläche wird mit der Richtlatte geglättet und mit dem Putzbrett grob abgerieben.

Gipskartonarbeiten: Bei Gipskartonarbeiten sind die Fugen der Platten mit geeignetem Füllmaterial zu schließen, Schraubenköpfe sind überzuspachteln, Kanten und überstehendes Spachtelmaterial ist zu entfernen und Bewehrungsstreifen aus z. B. Glasfaser sind einzulegen und zu verspachteln. Riefen und Grate, die von der Verspachtelung herrühren, sind zulässig.

Innenputzarbeiten Qualität Q2

  • Die Innenputz- und Gipskartonoberfläche in der Qualitätsstufe Q2 ist geeignet zur Weiterbearbeitung mit mittelschweren bis schweren Tapeten, Raufaser oder aber einer Vliesfasertapete oder füllenden Anstrichen mit Dispersionsfarben. Die Wandfarbe sollte mit einer Lammfellrolle aufgetragen werden, die dem Anstrich eine eigene Struktur verleiht. Abzeichnungen des Untergrundes sind nicht auszuschließen.

Innenputz: Die Oberflächenqualität Q2 bei Innenputzarbeiten besteht aus Gips- oder Zementputz, der mit der Richtlatte abgezogen wird und mit dem Putzbrett feucht geglättet wird. Kellenschläge sind hier bei Streiflicht und ungünstiger Beleuchtung, wie z. B. Wand- oder Deckenfluter, noch zu erkennen.

Gipskartonarbeiten: Gipskartonflächen werden 2x verspachtelt. In der ersten Verspachtelung wird eine Oberflächenqualität, wie unter Q1 beschrieben, erreicht. Mit der zweiten Verspachtelung wird ein Feinspachtel aufgetragen und die Übergänge der Platten untereinander erfolgt stufenlos. Bei einer Verspachtelung in der Qualität Q2 dürfen keine Riefen oder Grate mehr sichtbar sein und ggfs. erfolgt ein Schleifen der Oberfläche bis zur endgültigen Oberflächenqualität

Innenputz in der Qualitätsstufe Q3

  • Innenputz- und Gipskartonarbeiten in der Oberflächenqualität Q3 sind geeignet zur Weiterbearbeitung mit fein strukturierten Tapeten, matten Anstrichen, die mit einer kurzhaarigen Fellrolle aufgebracht oder Airless gespritzt werden und Finishputzen mit einer Körnung von weniger als 1mm Korngröße. Abzeichnungen der Stöße sind bei Streiflicht nicht völlig auszuschließen – jedoch weit weniger vorhanden als bei einer Ausführung der Arbeiten in der Qualitätsstufe Q2.

Innenputz: Bei der Ausführung der Innenputz- und Gipskartonarbeiten in der Oberflächenqualität Q3 handelt es sich um eine Ausführung mit erhöhter Anforderung, die einen oder mehrere zusätzliche Arbeitsgänge erforderlich macht. Innenputzflächen können in der Regel mit 2-lagigem Gipsputz versehen werden. Die zweite Lage wird hier erneut befeuchtet und fein abgerieben und so zusätzlich verdichtet. Bei der Endbehandlung der Oberfläche durch den Maler wird diese ggfs. fein gespachtelt und, wenn notwendig, bis zur Glätte geschliffen.

Gipskartonarbeiten: Die Grundlage der Ausführung der Gipskartonflächen bildet die unter Q2 beschriebene Arbeit. Zusätzlich hierzu werden die Stöße, der mit Gipskarton verkleideten Bauteile, breit ausgespachtelt und glatt gezogen. Die gesamte Fläche der Beplankung wird porenfrei gespachtelt und nach der erforderlichen Trocknungszeit geschliffen.

Innenputz Qualitätsstufe Q4

  • Die Oberflächenqualität Q4 erfüllt höchste Ansprüche. Die Oberfläche ist sowohl für die Tapezierung mit Glanz-, oder Metalltapeten als auch für die Lackierung mit seidenmatten Lacken oder Lasuren vorbereitet. Die Möglichkeit, dass sich bei dieser Oberflächengüte Plattenstoße abzeichnen ist minimal, wenn auch nicht ganz – besonders bei Streiflicht – auszuschließen. Bei einer Beschichtung mit hochglänzenden Materialien, wie z. B. einer Hochglanzlackierung, kann es notwendig sein, die Fläche einer zusätzlichen Feinspachtelung zu unterziehen. Jedoch ist auch bei der Qualität Q4 zu bedenken, dass einer handwerklichen Leistung Grenzen gesetzt sind.

Innenputz: Die Innenputzoberfläche wird wie in der Qualität Q2 beschrieben hergestellt. Zusätzlich wird die gesamte Oberfläche in einer Schichtdicke bis zu 3mm mit einem feinporigen Spachtel abgezogen. Wird mit dieser Spachtelung die gewünschte Güte nicht erreicht so wird die Fläche erneut abgezogen, verdichtet und ggfs. geschliffen.

Gipskartonarbeiten: Zusätzlich zu den o. g. Arbeiten werden alle Flächen vollflächig mit einer zusätzlichen Spachtelung versehen und geschliffen. Für die Oberflächenbeschaffenheit gilt hier das selbe, wie unter Innenputzarbeiten Q4 beschrieben.


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