Expertenwissen: Praktische Tipps zum Hausbau

Heimnetzwerk selbst einrichten

+++ drei grundsätzliche Möglichkeiten +++ vorausschauend: Zusätzliche Leerrohre +++ die unterschiedlichen Kabelarten +++ Verlegekabel selbst einziehen +++ das richtige Equipment +++ mit Profitricks geht es leichter +++ welche Kabel sinnvoll welche Kosten +++ Equipment zum selber auflegen +++


Tipp: Sehen Sie, um für Eventualitäten gewappnet zu sein, ein paar Leerrohre mehr vor!

Ein Computernetzwerk kann, wie oben ausgeführt, grundsätzlich auf drei Arten eingerichtet werden, per Kabel (LAN), Funk (WLAN) und via Stromleitung (DLAN). Die Basis eines soliden Heimnetzwerks sollte immer ein LAN-Netz bilden, für das unterschiedliche Kabel (siehe unten) in Frage kommen. Anschlussdosen und Leerrohre sind entsprechend Baubeschreibung bereits vorgesehen. Die Verkabelung ist bauseitige Leistung. Dabei ist es nicht erforderlich, dass alle Leerrohre und Dosen gleich voll belegt werden. Bis Ihr hoffnungsvoller Nachwuchs im entsprechenden Alter ist, sind vielleicht schon Lichtleiter Standard. Zusätzliche Leerrohre schaden aber generell nicht. Sie können später, je nach den jeweiligen Bedürfnissen, mit LAN-, TV- oder Telefonkabeln belegt und sogar gemischt[1] werden. Es kommt gelegentlich vor, dass ein Leerrohr geknickt oder sonst wie beschädigt wurde. Ein „Reserve-Leerrohr“ ist dann ein wahrer Segen. Auch wenn die Möblierung später anders ausfällt als ursprünglich geplant oder eines Tages ummöbliert wird, kann die Verkabelung leicht angepasst werden.

Für LAN-, TV- und Telefonverkabelung ist zusätzliches Equipment erforderlich, das aufeinander abgestimmt sein muss. Es gibt unterschiedliche Angebote der Diensteanbieter, für die unterschiedliche Kabelarten[2] erforderlich sind. Fernsehen können Sie z.B. per Kabel-Anschluss, Satellitenschüssel, terrestrische Empfangsanlage und Ihren Telekom-Anschluss. Nicht jeder Elektriker reißt sich um eine LAN-Verkabelung. Manche können oder wollen das auch gar nicht. Im TV-Bereich sieht das ähnlich aus. Spezialisten, die oft beides anbieten, sind in der Regel besser und billiger. Sie können die Sache aber auch selbst in die Hand nehmen. Für Bauherren mit einer gewissen technischen Ader ist das auch durchaus zu bewältigen. Zudem spart es natürlich Geld und ermöglicht eine hohe Flexibilität[3]. Aber nicht nur für diese Spezies könnten ein paar der folgenden Tipps hilfreich sein.

Verlegekabel einziehen

Wichtig: Kabeleinzugsband von guter Qualität. Gleitmittel wirkt Wunder.

Kaufen Sie im Fachgeschäft ein Einzugsband bzw. eine Spirale guter Qualität und vergessen Sie auf keinen Fall das Gleitmittel. Damit ist es kein Problem zwei Kabel gleichzeitig durch ein Leerrohr passender Größe zu ziehen. Verbinden Sie die Drähte der Kabel mit dem Zugband. Umwickeln Sie die Anschlussstelle mit Isolierband. Hier das Gleitmittel aufbringen. Mit einem Helfer geht das ganze ruckzuck: Der eine zieht, der andere schiebt. Kabel im Anschlussbereich etwa einen halben Meter[4] herausstehen lassen. So lassen sie sich bequem verdrahten. Dann die Kabel von der anderen Seite soweit zurückziehen, bis sich das Anschluss-Set in der Leerdose befindet. Festschrauben bzw. Abdeckung befestigen. Fertig!

Tipps und Tricks wenn es doch einmal klemmen sollte: Staubsauger verwenden: Rohr abdichten. Wattebällchen oder Papierkugel an Drachenschnur oder Bindfaden ansaugen. Damit evtl. Einzugsband durchziehen oder direkt mit Drachen- oder Angelschnur das Kabel durchziehen.

LAN-Kabel kosten im Internet nur einen Bruchteil der Fachhandelspreise. Da durch die Spezifikation (z.B. CAT 6) der Qualitätsstandard quasi definiert ist, können Sie kaum etwas falsch machen. Für Sat-Kabel gilt das gleiche. Hier sollte auf eine hohe Dämpfung geachtet werden (90 dB oder besser).

Praxistipps: Welche Kabel verwenden

Der häufig im Internet zu findende Rat, für ein Heimnetzwerk genügten CAT5-Kabel, ist mit Vorsicht zu genießen. Erst ab CAT5e ist 1GB-Lan möglich. Der Mehrpreis ist gering, der Nutzen erheblich höher (1.000 MB statt 100 MB theoretische Geschwindigkeit). Mit weniger sollten Sie gar nicht erst anfangen

Verwenden Sie auch für Telefonleitungen mindestens Cat 5e-Kabel. Sie sind wesentlich vielseitiger verwendbar als Telefonkabel (2x analog, analog +  DSL, analog + 100MB-Internet, 1GB Internet) und kosten kaum mehr.

CAT6-Kabel sind in der Regel völlig ausreichend. Wer es „zukunftssicher“ mag, greift zu CAT7-Kabeln, sollte aber folgendes wissen:

Den „Zukunftsstandard“ CAT7 (mit theoretischen Übertragungsraten bis 10 GB) gibt es bereits seit über 10 Jahren. Dennoch ist er bis heute nicht spezifiziert, d.h. es gibt hierfür weder Stecker, Dosen noch Geräte für den „Hausgebrauch“. Ob es sie jemals geben wird ist fraglich, weil irgendwann die Glasfasertechnik die Kupferkabel ablösen wird. Falls doch, müssten Sie später sämtliche Stecker Dosen und die angeschlossenen Geräte austauschen um in den Genuss dieser Technik zu kommen. Bliebe noch der Vorteil der besseren Abschirmung der Kabel. Auch er ist vernachlässigbar, da kaum jemand auf die Idee kommen wird, ein LAN und ein Starkstromkabel in einem Leerrohr zusammen zu verlegen.

Wir zitieren aus einem Wikipedia-Beitrag, der die Problematik auf den Punkt bringt: „Der RJ-45-Stecker kann diese Spezifikationen aufgrund der engen Kontaktanordnung nicht erfüllen; alle RJ-45-CAT-7-Patchkabel sind ein Etikettenschwindel (wie auch RJ-45-CAT-7-Netzwerkdosen und -Panels). Um Netzwerkkomponenten gemäß CAT-7 herzustellen, wurden eigens neue Steckverbindungen konzipiert, die im wesentlichen den Abstand zwischen den Adernpaaren vergrößern.“ … „Heute wird oftmals für qualitativ hochwertige Netzwerkverkabelungen eine CAT-7-Leitung in Verbindung mit CAT-6-Netzwerkdosen/-Patchpanels genutzt, was die gesamte Netzwerkstrecke ungeachtet der „guten“ CAT-7-Leitung auf Klasse E oder EA Niveau (CAT-6) degradiert.“  … „Derzeit evaluiert die IEEE mit dem Standard 802.3ba die nächste Generation des Ethernet, 40- und 100-Gigabit-Ethernet. Die Erfolgsaussichten, dass diese Geschwindigkeiten noch mit Kupferverkabelungen auf RJ45-Basis oder Cat-7-Anschlusstechnik mit Reichweiten bis zu 100 m erreicht werden können, ist äußerst gering. Eine Entwicklung in diese Richtung wird derzeit auch nicht vorangetrieben.“

Preisbeispiele für 100 m Kabel:

Cat 5e: € 23.–
Cat 6: € 29.–
Cat 7 € 55.–

Für eine üppige Verkabelung mit ca. 30 bis 40 Kabelstrecken sind ca. 500 m Kabel erforderlich, also betragen die Kabelkosten für das ganze Haus bei:

Cat 5e: € 115.–
Cat 6: € 145.–
Cat 7 € 275.–

Wenn Sie zwei Leitungen pro Raum verlegen möchten: Duplexkabel sind leichter zu verlegen und unter dem Strich billiger.

Wenn Sie ohnehin mehr als zwei Anschlüsse pro Raum brauchen und das wird in Zukunft die Regel sein: Es genügt eine Leitung in Verbindung mit einem Switch.[5]

Cat 7-Leitungen sind dicker, starrer, schwerer zu verlegen und anzulegen ohne einen wirklichen Vorteil zu bieten. Cat 5e ist kaum billiger als Cat 6.

Tipp: Verwenden Sie im ganzen Haus für sämtliche Telefon und Lananschlüsse ausschließlich Cat 6- Kabel.

Verlegekabel auflegen

Das notwendige Equipment ist bis auf das LSA-Anlegewerkzeug (graues Teil siehe oben, ab ca. € 5.–) und den Netzwerktestertester (ca. € 5.–) in jedem Haushalt vorhanden. Erhältlich z. B. im Elektronikshop, bei Amazon oder Ebay. Es gibt zwei Anschluss-Standards 568A und 568B. Wichtig ist nur: An den beiden Kabelenden einer Leitung muss der gleiche Standard verwendet werden. Sinnvollerweise bleiben Sie im ganzen Haus bei dem gleichen Standard. Mit ein wenig Übung und dem Anlegewerkzeug ist das Ganze ein Kinderspiel. Detaillierte Anleitungen gibt es im Internet zur Genüge.

Selbermachen spart nicht nur eine Menge Geld, sondern garantiert auch Flexibilität. Sie müssen nur ausreichend Leerrohre vorsehen und können die Leitungen dann später je nach Bedarf und Einsatzzweck selber einziehen.

[1] Zwei oder drei verschiedene Medien in einem Leerrohr

[2] Erwarten Sie daher bitte nicht, dass die Verkabelung (welche?) bereits im Leistungsumfang enthalten ist!

[3] Mit ein wenig Routine ziehen sie z.B. einen zusätzlichen Fernsehanschluss innerhalb von 10 bis 15 Minutenselbst ein. Für LAN ist in etwa die doppelte Zeit und ein wenig Spezialwerkzeug erforderlich.

[4] Für LAN am Anfang eher mehr, für SAT genügt auch weniger. Die Kabel werden am anderen Ende ohnehin auf die benötigte Länge zugeschnitten, d.h. sie müssen z. B. bis zum Multischalter bzw. Patchfeld reichen.

[5] In Computer-Netzwerken wird als Switch (vom Englischen für „Schalter“ oder „Umschalter“) – ein Verteiler genannt, der Netzwerkleitungen miteinander verbindet. Kosten ab ca.  € 10.–.


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