Expertenwissen: Die Klippen in der Baubeschreibung

Musterbaubeschreibungen


Wir haben in dem Beitrag „Baubeschreibung selbst erstellen“ bereits auf die Probleme hingewiesen, die mit einer selbst erstellten Baubeschreibung verbunden sind. Aufgrund diverser Anfragen haben wir nochmals recherchiert, um Ihnen möglicherweise eine Musterbaubeschreibung empfehlen zu können, sei es eine kostenlose aus dem Internet oder eines der kostenpflichtigen Exemplare, die im Internet oder über den Buchhandel erhältlich sind.

Trotz intensiver Suche haben wir  nichts gefunden, was eine Empfehlung wert wäre. Im Ergebnis können wir eigentlich nur davor warnen, solche Musterbaubeschreibungen zu Rate zu ziehen. Auf ein guten Gewissens verwendbares Exemplar sind wir jedenfalls nicht getroffen.

Die Empfehlungen der Verbraucherverbände mögen gut gemeint sein. Für eine brauchbare Baubeschreibung reicht der gute Wille allein aber  nicht aus. Fehlendes Praxiswissen lässt sich nicht durch übertriebenen Umfang ersetzen, im Gegenteil: Mit jeder überflüssigen Seite steigt die Gefahr von Widersprüchen. Die Musterbaubeschreibung eines Verbandes z. B. beträgt vierundvierzig Seiten. Die darin enthaltenen Widersprüche belaufen sich auf rund das Doppelte. Wer eine solche Baubeschreibung verwendet und an den falschen Anbieter gerät riskiert ein finanzielles Debakel. Dazu genügt ein einziger Satz im Vertrag:

„Eventuelle Widersprüche in der von den Bauherrn vorgegebenen Baubeschreibung gehen zu deren Lasten.“

Etwas präziser formuliert könnte die Formulierung so aussehen:

„Die Baubeschreibung wurde von den Auftraggebern vorgegeben. Eventuelle Lücken und Widersprüche gehen nicht zu Lasten der Auftraggeberin. Sollten dadurch Mehrkosten entstehen oder Verzögerungen eintreten sind diese von den Auftraggebern zu vertreten.“

Es gibt auch Musterbaubeschreibungen, die in die genau entgegengesetzte Richtung gehen und absolut minimalistisch sind, allerdings nicht im Sinne mancher Bauträger-Baubeschreibungen. Ihnen liegt die Überlegung zugrunde, dass bei Einhaltung der anerkannten Regeln der Baukunst sowie der DIN-Vorschriften nur bestimmte Eckdaten festgelegt werden müssen.

Diese Überlegungen sind nicht ganz falsch. Solche Baubeschreibungen sind alle Mal besser als die blumigen Formulierungen mancher Anbieter-Baubeschreibungen, die nur dazu dienen, Leistungslücken und -mängel  zu kaschieren. In der Praxis funktionieren sie leider nicht. Kaum ein Laie ist sich darüber im klaren, was aufgrund der Rechtslage grundsätzlich an Leistungen geschuldet wird. Bei einer Auseinandersetzung mit einem fachlich versierten Anbieter wird er daher in der Regel den Kürzeren ziehen. Es dürfte auch nicht jedermanns Sache sein, sich im Zuge der Bauausführung ständig mit dem Auftragnehmer auseinanderzusetzen.

Kein Verständnis für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge

Fast sämtlichen Musterbaubeschreibungen fehlt das Verständnis für Kostenzusammenhänge und betriebswirtschaftliche Hintergründe.

Jeder Betrieb hat seine Stärken und Schwächen, hat seine besonderen Handwerke-und Lieferbeziehungen und hat – idealerweise – seine Abläufe und letztlich auch seine Baubeschreibung dahingehend optimiert.

Um ein Beispiel aus der Automobilindustrie zu verwenden: die Hersteller haben zum Teil die gleichen Zulieferer. In einem gewissen Rahmen ist es für sie einfach – beispielsweise bei den Reifen – spezielle Wünsche zu erfüllen. Wenn Sie sich für Ihren Mercedes aber partout einen BMW-Motor vorstellen, wird das schwierig, auf jeden Fall aber teuer.

Den Kosteneffekt des „BMW-Motors im Mercedes“ haben fast alle selbst fabrizierten  und  die Muster-Baubeschreibungen.

Zu nahezu allen Fabrikaten gibt es eine Anzahl gleichwertiger Hersteller. Wenn ohne Kenntnis von Zusammenhängen Fabrikate vorgeschrieben werden, erhöht dies zwar mit Sicherheit die Kosten, aber nicht zwangsläufig die Qualität.

Die Baubeschreibung von Bau-Forum24

Das vorrangige Ziel dieser Baubeschreibung ist es, die Preise der vorgestellten Hausideen vergleichbar zu machen. Natürlich sollten auch unsere Empfehlungen berücksichtigt werden. Sie erhebt aber nicht den Anspruch, eine „allgemeingültige“ Musterbaubeschreibung zu sein. Wir haben bereits ausgeführt, dass es eine solche eigentlich nicht geben kann.

Mangels entsprechender Alternativen haben wir die Beschreibung so angepasst, dass sie mit den genannten Einschränkungen auch als Musterbaubeschreibung verwendet werden könnte. Wichtig war uns dabei, den Leistungsumfang, auf dessen Grundlage die Häuser kalkuliert sind nicht zu verändern. Ansonsten wären umfangreiche Neukalkulationen erforderlich gewesen.

Für eine „optimale“ Baubeschreibung gibt es vier mögliche Blickwinke, die eines:

  • Anbieters
  • Bauherrn
  • Juristen
  • Technikers

Aus Anbietersicht ist die Baubeschreibung ein hochkarätiges Marketinginstrument. Würde ein Techniker sie verfassen, entstünde wohl eine staubtrockene Materialaufstellung, käme der Jurist zu Wort, würden alle möglichen Störfälle bis ins Detail erörtert. Mit beiden Versionen ließe sich kaum ein Kunde gewinnen. Die von Bauherrn selbst verfassten Baubeschreibungen sind oft reine Wunschlisten die vieles beinhalten, was sie sich eigentlich gar nicht leisten können. Musterbaubeschreibungen von Verbraucherverbänden gehen in die gleiche Richtung. So manche könnte man überschreiben:

„So würde ich gern bauen, wenn Geld keine Rolle spielte.“

Wir empfehlen daher, auf dem Boden der Realität zu bleiben.

Viele Anbieter akzeptieren ohnehin keine Fremd-Baubeschreibungen. Wie gezeigt wurde, sollte man ihnen daraus keinen Vorwurf machen. Bei schwarzen Schafen hilft auch kein noch so geduldiges Papier. Da ist es besser, sie von vorneherein außen vor zu lassen. Seriösen Anbietern sollten Sie – in Ihrem eigenen finanziellen Interesse – die Gelegenheit geben, ihr Konzept bzw. ihre Firmenphilosophie umzusetzen. Damit fahren auch Sie als Bauherr häufig am besten. Allerdings sollten Sie genau wissen was sie wollen, und auch in der Lage sein, eine Baubeschreibung bzw. den angebotenen Leistungsumfangzu beurteilen.

 

 

 

 

 


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