Expertenwissen: Immobilien-Fotografie

Raw oder JPEG in der Immobilienfotografie

+++ Überraschende Fakten +++ Die Unterschiede in Kürze +++ Überflüssiges Raw-Format? +++ Reicht für Immobilien JPEG? +++ Beide Formate gleichzeitig? +++ Der beste Workflow +++ Empfehlungen für die Praxis +++ Hier sind Empfehlungen zur Ausrüstung +++

  • Handy- und Gelegenheitsfotografen aufgepasst!
  • Was sind Raw-Dateien?
  • Raw ist ideal für ambitionierte Amateure
  • Amateure haben Zeit, Profis nicht
  • Der Workflow entscheidet
  • Nachteile des Raw-Formats
  • Das JPEG-Format „out of Camera“
  • Vorteile des JPEG-Formats
  • Niemandem soll der Spaß verdorben werden
  • Abschließende Empfehlung

Handy- und Gelegenheitsfotografen aufgepasst!

Ab einer bestimmten Anspruchsklasse bieten Digitalkameras zwei Dateiformate zum Speichern der Aufnahmen: ein unkomprimiertes, meist herstellerspezifisches Raw-Format und das weitverbreitete JPEG-Format.

Wenn eine dieser drei Feststellungen auf Sie zutrifft, sollten Sie diesen Beitrag besonders aufmerksam lesen:

  1. Sie haben von Raw noch nie etwas gehört.
  2. Sie kennen den Unterschied zwischen Raw und JPEG nicht wirklich.
  3. Sie fotografieren bereits in Raw, Ihnen ist aber nicht klar, warum.

Was sind Raw-Dateien?

Es sind Bilddateien mit weitgehend unbearbeiteten Informationen, wie sie der Kamerasensor liefert. Mit ihnen verhält es sich ähnlich wie mit rohem Fleisch, das erst durch Braten und Würzen genießbar wird. Raw-Aufnahmen müssen mit spezieller Software entwickelt und verfeinert werden, bevor sie verwendet werden können.

Raw ist ideal für ambitionierte Amateure

Dem riesigen Heer von Amateurfotografen stehen vergleichsweise wenige Profis gegenüber. Zur Zielgruppe dieses Beitrags zählen wir auch Lichtbildner, die zu beruflichen Zwecken fotografieren aber über keine einschlägige Ausbildung verfügen. Auch sie sind insofern Profis, als sie nicht zum Vergnügen fotografieren. Dass die Tätigkeit als solche Spaß machen kann, steht dem nicht entgegen.

Was Amateuren gern eingeredet wird, lässt sich auf die einfache Formel bringen: je teurer die Ausrüstung, desto besser die Bilder. Dies gilt gleichermaßen für die Bildbearbeitung: je aufwendiger (und damit auch teurer), desto besser das Ergebnis. In Fotoclubs und diversen Foren wird kaum ein Thema leidenschaftlicher diskutiert, und wer nicht in Raw fotografiert, wird leicht von vorneherein als Laie abgestempelt.

Amateure haben Zeit, Profis nicht

Der Sportfotograf, der seine Bilder noch vom Spielfeldrand an die Redaktion schickt, wird keinen Gedanken an eine nachträgliche Bildbearbeitung im Raw-Format verschwenden. Und mancher vereidigte Sachverständige versichert im Gutachten: „Bildmaterial in originalem JPEG-Format, ohne jede nachträgliche Bearbeitung.“ Im Profi-Bereich wird aus ganz unterschiedlichen Motiven JPEG verwendet.

Der Workflow entscheidet

Überall wo Zeit weniger eine Rolle spielt, und/oder höchste Qualität wichtig ist, wird in der Regel das Raw-Format verwandt. Wo dies nicht der Fall ist, bringt es mehr Nach- als Vorteile. Wer das letzte aus seinen Bildern herauskitzeln möchte (was bis zu einer gewissen Grenze bereits in Photoshop möglich ist) und wer über genügend Zeit verfügt, bzw. Spaß an der Sache hat, soll ruhig ausschließlich das Raw-Format verwenden. Für ergebnisorientierte Nicht-Hobby-Fotografen skizzieren wir einmal die Nachteile des Raw-Formats:

Nachteile des Raw-Formats

  • Jeder Kamera-Hersteller verwendet sein eigenes Format.
  • Sogar Kameramodelle des gleichen Herstellers verwenden unterschiedliche Raw-Formate
  • Die Formate sind untereinander nicht kompatibel.
  • Raw ist langsamer und hat einen wesentlich höheren Speicherbedarf.
  • Die CPU-Anforderungen (Arbeitsspeicher und Geschwindigkeit) für die Bearbeitung sind wesentlich höher (als bei JPEG).
  • Nicht jedes Programm kann jedes Raw-Format lesen bzw. verarbeiten.
  • Der Zeitaufwand für die Entwicklung und Bearbeitung ist nicht zu unterschätzen.
  • Raw-Aufnahmen können zwar in einem Arbeitsgang entwickelt werden, auch in manchen Kameras. Dann kann aber auch gleich in JPEG fotografiert werden.
  • Der Zeitaufwand für die individuelle Entwicklung und Bearbeitung eines Immobilienprojekts (nicht selten mehrere 100 Aufnahmen) wird enorm hoch.
  • Jedes Raw-Programm entwickelt ein wenig anders.
  • Die individuelle Raw-Entwicklung durch Ungeübte bringt oft schlechtere Ergebnisse, als die Kameraentwicklung (JPEG).
  • Professionelle Software wie Photoshop oder Lightroom muss immer auf neuestem Stand sein (eine teure Angelegenheit!) um aktuelle Raw-Versionen zu erkennen.
  • Mangelnde Archivierungssicherheit
  • Da der Standard proprietär ist (Ausnahme Adobe Raw, das sich bisher nicht durchgesetzt hat), wird zukünftige Software frühere Raw-Dateien vermutlich nicht mehr lesen können.

Das JPEG-Format „out of Camera“

Bei der Digitalfotografie werden üblicherweise die vom Sensor gelieferten Daten auf eine bestimmte Weise (das kann auch individuell eingestellt werden) verarbeitet, und im platzsparenden JPEG-Format auf die Speicherkarte geschrieben. Werden die unbearbeiteten Sensordaten gespeichert, spricht man von Raw-Format (raw=roh). Das Raw-Format hat unbestreitbare Vorteile, aber nicht immer und überall, schon gar nicht in der Immobilienfotografie. Wir betrachten es als nicht zielführend, in diesem Rahmen darauf groß einzugehen.

Vorteile des JPEG-Formats

  • Es ist das Bildformat mit der weltweit größten Verbreitung und Kompatibilität.
  • Die Aufnahmen können sofort und ohne Bearbeitung verwendet werden (verschickt, ausgedruckt usw.).
  • Mit entsprechender Software (z. B. Photoshop) können Aufnahmen auch nachträglich beliebig bearbeitet werden (müssen aber nicht!).
  • Eine Bearbeitung kann auch mit billiger oder kostenlose Software (zum Beispiel eine ältere Photoshop-Version) erfolgen.
  • Bei den Auflösungen moderner Kameras sind auch Ausschnittsvergrößerungen problemlos möglich.
  • Aktuellere Kameras bieten die Möglichkeit der automatischen Objektivkorrektur schon bei der Aufnahme.
  • Typische Objektivfehler wie Verzeichnung und Randabfall werden wie von Zauberhand beseitigt (nur herstellereigene Objektive).
  • Im Raw-Format funktioniert das nur nachträglich mit geeigneter Software (nicht immer so zuverlässig, dafür auch für bestimmte Fremdobjektive).

Niemandem soll der Spaß verdorben werden

Mancher ambitionierte Amateurfotograf wird beim Lesen dieses Beitrags vielleicht Schnappatmung bekommen haben. Wir wollen selbstverständlich niemandem den Spaß verderben. Wer Vergnügen daran hat, in Raw zu fotografieren und dann stundenlang am Computer zu sitzen, soll dies gerne weiterhin tun. Allerdings schadet es nie, die Dinge auch einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Abschließende Empfehlung

Die meisten aktuellen Kameras bieten die Möglichkeit, sowohl im JPEG, als auch gleichzeitig im Raw-Format aufzuzeichnen. Das ist eine durchaus geeignete Möglichkeit, um sich der persönlich sinnvollsten Arbeitsweise anzunähern. Welcher Workflow am Ende für einen selbst der geeignetste ist, muss jeder für sich allein entscheiden. Die meisten werden feststellen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – dass JPEG`s völlig ausreichend sind, und man sich die Datenflut durch Raw`s besser erspart. Eine Art Königsweg ist, dass man neben JPEG-Aufnahmen noch ein kleineres Raw-Format verwendet. Allerdings bieten nicht alle Kameras diese Möglichkeit. Unserer Erfahrung nach wird jedoch dieses „Backup-Raw-Format“ später so gut wie nie verwendet. Abschließend ist festzustellen:

Für die übliche1)  Immobilienfotografie hat die Verwendung des Raw-Formats mehr Nach- als Vorteile.

 

1) Dies gilt in dieser Absolutheit selbstverständlich nicht für die relativ seltene Spezies von professionellen Immobilienfotografen.


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